handgemachte Seife - Herstellung


Naturseife - Herstellung
Ein Überblick

"Come to the edge." - "We can't. We're afraid."
"Come to the edge." - "We can't. We will fall!"
"Come to the edge." - And they came.
And he pushed them. And they flew.
 
-- Guillaume Apollinaire

Theoretisch ist alles klar: Wasser + NaOH + Fette geben Seife, Duft und Farbe dienen der Verschönerung. Wie sieht das nun in der Praxis aus ?

ZUERST einmal warte ich, bis die Kinder schlafen, von ihrem Vater abgeholt werden oder für eine längere Zeitspanne verläßlich beschäftigt sind ... und dann hole ich Arbeitsmantel, Gummihandschuhe und was ich sonst noch brauche ... hier gibt's eine prägnante  Liste , vielleicht gleich zum Ausdrucken und einkaufen gehen ? 

Vielleicht zur Aufmunterung: auch wenn's auf den ersten Blick vielleicht ein wenig kompliziert und/oder aufwendig aussieht so täuscht der Schein: sobald der angehende Seifensieder erst mal alle Utensilien und Zutaten beisammen und den 1. Seifenblock hinter sich hat, läuft alles wie am Schnürchen und schon bald werden sich auch eure Regale unter den duftenden Seifen biegen ... ganz zu schweigen vom Badezimmer das sich wöchentlich mit mehr und mehr Seifensorten füllen wird .... 

drei runde Seifen

Ich verwende ausschließlich feine Pflanzenöle und Fette, die bei ca. 38° - 55° C mit reinem Sodium Hydroxid (die Bezeichnung "Laugenstein" finde ich eigentlich netter ...)  verseift werden und dann in Holzformen (Plastik funktioniert auch, da gibt's einige Möglichkeiten) ein bis drei Tage lang in einem kühlen Raum stehen. Wie das genau funktioniert ? 

Dann  wird der Seifenblock  in Stücke geteilt - so gleichmäßig wie ich eben will oder kann  -  die mindestens 4 bis 6 Wochen an der Luft reifen dürfen. Während dieser Zeit vervollständigt sich der Verseifungsprozess - ganz ohne mein Zutun ! Wie praktisch !!  - und das überflüssige Wasser verdunstet. Das Ergebnis sind milde, leicht rückfettende Pflanzenseifen mit natürlichem Glyzeringehalt, sanft beduftet mit ätherischen Ölen oder Duftölen. Wobei allerdings klar sein dürfte: ätherische Öle *verflüchtigen* sich im Laufe der Zeit ...

Auf jeden Fall ist Seife rühren das netteste Hobby auf das ich bisher gestoßen bin, ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen... an der  Beachtung aller Seifen-Sicherheitsregeln führt jedoch kein Weg vorbei ... ein bisserl *aufpassen* muß frau schon dabei ... und dennoch: manchmal stimmen das Ergebnis und die Vorstellung nicht ganz überein - Pannen und Pleiten sind leider möglich, sehr oft ist die Seife jedoch zu retten. Seestern und Rosenseife

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Kiste mit Seife zum Trocknen

 Simple Kartonschachteln aus dem Supermarkt eignen sich gut zum Trocknen lassen der Seife - einfach mit sauberem, weißen Papier auslegen. Küchenrolle ist auch gut dafür geeignet. Auf stapelbare Karton achten, das spart Platz wenn die "Produktion" erst mal so richtig angelaufen ist. :-)

Vielleicht noch ein Wort zur "Qualtitätssicherung": 

Um gute Seifen herzustellen braucht es ein wenig Umsicht, eine genaue Waage und ordentliche Rezepte - entweder selbst nachrechnen oder mit dem Seifenrechner überprüfen. Wichtig ist auch die Beurteilung des fertigen Seifenblocks - sieht er gut aus - keine dubiosen ausrinnenden Flüssigkeiten, kein seltsamer Geruch, kein Splittern oder Bröckeln beim Zerschneiden ? Dann ist schon viel gewonnen  - und falls doch mal eines dieser Symptome auftritt, nach der passenden Lösung suchen. 

Ja, und da wäre natürlich noch der ph-Wert, also die Meßzahl für die Stärke von Säuren und Basen ... die Skala reicht von 1 bis 14:

bullet1 ist sehr sauer
bullet5,5 - also leicht sauer - entspricht in etwa dem pH Wert unserer Haut
bullet7,0 ist neutral (destilliertes Wasser hat einen pH-Wert von 7,0)
bullet14 ist sehr alkalisch

Der pH-Wert der Haut liegt also im sauren Bereich, körpereigenes Lecithin und Cholesterin verbunden mit Hornfett bilden einen natürlichen Schutzfilm der die Haut geschmeidig und widerstandsfähig hält. Beim Waschen wird dieser Schutzfilm natürlich stark angegriffen bzw. entfernt, je nachdem ... frisch gemachte Seife nach dem Kaltverfahren ist mehr oder weniger stark alkalisch, würde man ihr nicht die erforderliche Reifezeit von ca. 3 - 8 Wochen, je nach Sorte / Herstellungsmethode, zugestehen und sie sofort verwenden - sei es aus Neugier, sei es aus Profitstreben  - riskiert man trockene und/oder irritierte Haut.  Zu junge Seife schäumt schlechter (da spielt natürlich auch das Rezepte eine große Rolle) und hat noch wenig Festigkeit - sie verbraucht sich rasch. Der pH-Wert einer fertigen Seife liegt übrigens irgendwo zwischen 8 und 10,5 - meine Kreationen scheinen sich größtenteils so um 9 herum einzupendeln.  Woher ich das so genau weiß ? Ganz einfach, ich hab' mir in der Drogerie eine Großpackung ph-Teststreifchen besorgt, die sehen meiner Meinung nach recht nett aus. 

ph Teststreifchen

ECHTE Seife kann NIE pH-neutral sein ... und auch die Messungen mit den Teststäbchen geben keine hundertprozentig exakten Werte, das möchte ich nur mal erwähnt haben; je nach Messmethode und Fabrikat sind Abweichungen möglich. Exakte Ergebnisse gibt's wohl nur mit einem pH-Meter, diese Dinger sind teuer und sogar wer eines hat muß erst mal die Standardtestprozedur für Seifen rausfinden. Die pH-Teststreifchen sind jedoch für Vergleichsmessungen gut geeignet - nehmt eine kommerzielle Seife (ein Restchen davon wird sich sicher noch irgendwo finden) und eine aus eigener Herstellung und vergleicht die Resultate. Außerdem sieht frau recht schön wie der pH Wert der kaltgerührten Seifen im Lauf der Reife/Trockenzeit noch ein wenig sinkt.

Naturseifen mit Etikett

Paths clear before those who know where they're going and are determined to get there.
-- Leonard Roy Frank

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blumenranke

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zuletzt geändert: Sonntag, 23. November 2014

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