Seife sieden im Backrohr

I am an idealist. I don't know where I am going but I'm on my way.   -- Carl Sandburg

Vorraussetzung: Kenntnis der Herstellung kalt gerührter Seife & der Seifensicherheitsregeln !

Wer sich die 4 - 8 wöchige Reifeperiode ersparen möchte bzw. einfach mal zwischendurch rasch Seife braucht kann den Verseifungsprozeß auch beschleunigen: *Hitze* heißt das Zauberwort und am bequemsten geht das meiner Erfahrung nach im Backrohr wenn es denn sein muß. 

Ich bin kein allzugroßer Fan dieser Methode, verwende sie aber zum Beispiel gerne, um mal auf die Schnelle einen Block "Schnitzseife" für meine Kinder zu produzieren. Von der Qualität her ist die Seife - sorgfältiges Arbeiten vorrausgesetzt - nicht schlechter als kaltgerührte, für nicht alkalibeständigen Duftstoffe ist das Heißverfahren sogar vorteilhafter. Von der Optik & der Textur her finde ich die kaltgerührte Seife jedoch im Klassen besser. Daher mein Vorschlag: jeder findet für sich persönlich raus was ansprechender ist.

Unkompliziertes Beispielrezept:

500 g Kokosöl
500 g Olivenöl
400 g Rapsöl
400 g Palmöl
100 g Mandelöl
100 g Rizinusöl

700 g dest. Wasser
280 g NaOH

Wie funktioniert's ? 

bulletPassendes Rezept suchen - Wassermenge für die ersten Versuche bitte nicht reduzieren, rückfettende Pflegeöl kommen gleich von Anfang an dazu und nicht erst nach dem Andicken.
bulletSeife nach dem gewünschten Rezept herstellen und bis zum Andicken bringen. Der Topf soll *höchstens* zu 3/4 gefüllt sein (für Sieder mit Spielernatur - ein Übergehen ist hier leichter möglich),   2/3 Füllhöhe sind besser.  
bulletDer Seifentopf wird zugedeckt ins ca. 100 - 110 ° C heiße Backrohr geschoben. Sinnvollerweise steht er auf einem Backblech: falls die Seife doch übergeht erleichtert das wenigstens die Reinigungsarbeiten - *angebrannte* Seife riecht jedenfalls scheußlich.
bulletAb und zu kontrollieren ob die Seife nicht versucht, überzugehen - in diesem Fall einfach wieder zusammenrühren. Nach *ungefähr* einer Stunde wird die Seife fertig sein - kleinere Massen sind oft wesentlich früher so weit, es kann aber auch deutlich länger dauern, je nach gewählten Basisölen.
bulletFertige Seife vor dem Beduften / Färben ein wenig abkühlen lassen, da zu große Hitze den  ätherischen Öle / Duftölen erfahrungsgemäß nicht allzu gut bekommt.
bulletFarbe und Duft untermischen, in die vorbereitete Form geben (schaufeln, spachteln - was auch immer, das mit dem sonst üblichen *gießen* klappt hier nicht da die Seifenmasse zu fest ist) und einfach abkühlen lassen. 
bulletJe langsamer die Seife abkühlt desto besser die Textur,  deswegen macht es Sinn eventuell noch eine alte Decke oder ähnliches  drüberzuwerfen.
Wie erkenne ich, dass die Seife fertig ist ?

Im Topf befindet sich jetzt eine homogene, einheitlich aussehende Masse - erinnert von der Optik her an Vaselin. Wer kein Vaselin kennt stellt sich ein sehr, sehr trübes Tortengelee vor oder besorgt sich wahlweise ein Töpfchen Vaselin. Die fertige Seife *schmeckt* nach Seife und brennt nicht auf der Zunge & sie schäumt schön (ein brauchbares Rezept vorrausgesetzt). So lange der Verseifungsprozeß noch nicht abgeschlossen ist verhindert bzw. erschwert die große Menge unverseiften Fettes die Schaumbildung.

Die ausgekühlte Seife wie gewohnt in Stücke schneiden - je nach Feuchtigkeitsgehalt der Seife ist es manchmal sinnvoll, sie dann noch ein paar Tage bis zu zwei Wochen trocknen zu lassen (Notizen machen nicht vergessen - beim nächsten Mal kann die Wassermenge dann reduziert werden bis der Härtegrad auf Anhieb stimmt.) - so wird sie härter und hält länger. *Verwendbar* ist diese Seife jedoch sobald sie aus der Form kommt. 

Ich wünsche uns allen interessante Stunden vor dem Backrohr. :-) 

 

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blumenranke

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zuletzt geändert: Sonntag, 23. November 2014

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